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7.4

Waldbrandgefahr und Waldbrände

Die Trockenheit verstärkt die Waldbrandgefahr in NRW

Anzahl der Tage mit Waldbrandgefährdungen nach den Waldbrandindexstufen 1+2 und 4+5 in NRW im Zeitraum 1961-2020 sowie Anzahl der Waldbrände und durch Waldbrand betroffene Fläche in Hektar (ha) im Zeitraum 1991-2020 (Datengrundlage: DWD, BLE 2021).

Datenstand 31.12.2020
Messgröße Überschreitungstage der Stufe 1+2 und 4+5 des Waldbrandgefahrenindex, Anzahl Tage; Wandbrände, Anzahl; Betroffene Fläche (durch Waldbrände), ha
Räumliche Abdeckung Nordrhein-Westfalen (NRW)
Datenquelle Deutscher Wetterdienst (DWD), Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Fortschreibungsturnus jährlich
DPSIR-Indikator Impact
  • Bezug zum Klimawandel

    Klimatische Veränderungen wie erhöhte Temperaturen und zuletzt rückläufige Niederschläge in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten sowie die dadurch verstärkte Verdunstung und Trockenheit können die Waldbrandgefahr in NRW erhöhen. Die Kombination von steigenden Lufttemperaturen mit der deutlich verlängerten Vegetationsperiode dürfte zu einem wesentlich höheren Wasserbedarf führen, der ausgerechnet in voraussichtlich häufiger vorkommenden Extremjahren nicht mehr gedeckt werden kann. Die dadurch entstehenden Vitalitätsausfälle sorgen zusätzlich für mehr Totholz, welches im Falle eines Brandes dem Feuer mehr Nahrung bietet. Durch Gewitter ausgelöste Waldbrände spielen dabei eine nur untergeordnete Rolle, da diese in Mitteleuropa in der Regel mit Niederschlägen einhergehen. Jedoch ist anzunehmen, dass der voraussichtlich zunehmende Nutzungsdruck durch Erholung suchende Menschen bei den sich ändernden Witterungsbedingungen auch das Risiko von durch Fahrlässigkeit verursachte Waldbrände ansteigen lässt. 

  • Definition und Berechnung

    Die in der Waldbrandsaison (Anfang März bis Mitte Oktober) tagesaktuellen Information werden vom Deutschen Wetterdienst (DWD) nach verschiedenen Modellen, in die unter anderem Klimaparameter wie relative Luftfeuchte, Niederschlagssummen und Windgeschwindigkeiten eingehen, berechnet. Für die Darstellung werden jeweils die beiden untersten Stufen 1+2 (sehr geringe und geringe Gefährdung) und die höchsten Stufen 4+5 (hohe und sehr hohe Gefährdung) zusammengefasst. Statistiken zu den tatsächlich aufgetretenen Waldbränden, den Ursachen und der betroffenen Fläche durch Waldbrände, sammelt bundesweit die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in der sogenannten Waldbrandstatistik und greift dabei auf die Daten der Länder zurück.

    Für alle Zeitreihen erfolgt eine Trendberechnung nach der Methode des Umweltbundesamtes zum Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel, kurz "DAS - Methode" genannt. Die Entwicklung der Trends wird tabellarisch dargestellt. Zusätzlich wird die Veränderung über die Zeitreihe berechnet. Für eine kurze Einführung in die Trendberechnung steht ihnen die Seite zur Methodik im Serviceteil zur Verfügung.

    Literatur:

    BLE – Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2021): Waldbrandstatistik. www.ble.de/DE/ BZL/Daten-Berichte/Wald/wald_node.html (07.10.2021)

  • Zeitreihe und Trend

    In der aktuellen Klimanormalperiode (1991-2020) kommen im Jahresmittel und in der Zeit zwischen März und Oktober rund 174 Tage pro Jahr mit der Waldbrandindexstufe 1+2 vor. Dem gegenüber stehen im Mittel 21 Tage pro Jahr mit einer Waldbrandindexstufe 4+5. Im Vergleich zur ersten verfügbaren Klimanormalperiode (1961-1990) sind die Tage mit einer Waldbrandindexstufe 1+2 um 18 Tage zurückgegangen. Gleichzeitig sind 11 Tage mit einer Waldbrandindexstufe 4+5 hinzugekommen.

    Über die gesamte Zeitreihe hinweg (1961-2020) liegt der Mittelwert der Tage mit Waldbrandindex 1+2 bei 183 Tagen im Jahr, bei den Tagen mit Waldbrandindex 4+5 bei 16 Tagen im Jahr.

    Die Trendanalyse nach der "DAS - Methode" ergibt für die Anzahl an Tagen mit beiden Waldbrandindex-Klassen jeweils einen signifikanten Trend. Bei den Tagen mit einem Waldbrandindex 1+2 liegt ein signifikant quadratischer Umkehrtrend mit negativer Tendenz (n) vor. Nach einer anfänglich ansteigenden Trendlinie geht diese nach einem Maximum in den kühlen 1970'er Jahren deutlich nach unten. Vergleicht man den Anfangswert mit dem Endwert der quadratischen Trendlinie, ergibt sich ein Rückgang um 40 Tage mit einem Waldbrandindex 1+2. Bei den Tagen mit einem Waldbrandindex von 4+5 liegt ein ebenfalls signifikant quadratischer Trend mit Trendumkehr (u), aber in gegenteiliger Richtung, vor. Nach einem leichten Minimum ebenfalls in den 1970'ern geht der Trend hier immer steiler nach oben. Der Vergleich zwischen Anfangs- und Endwert zeigt bei dieser quadratischen Trendlinie einen Zuwachs von 24 Tagen mit einem Waldbrandindex 4+5.

    Die Aufzeichnungen der Waldbrandereignisse zeigen, dass im Zeitraum 1991-2020 durchschnittlich 55 Waldbrände in NRW auftraten, bei einer mittleren betroffenen Fläche von 16,2 ha im Jahr.

    Bei diesen beiden Parametern lassen sich ebenso signifkante quadratische Trends mit zunächst fallenden und dann anstiegenden Verläufern feststellen (u). Hier zeigen beide Trendlinien ein grobes Minimum während der 2000'er Jahre mit hohen Anfangs- und hohen Endwerten.  Bei der Anzahl der Brände ergibt der Vergleich zwischen Anfang und Ende der quadratischen Trendlinie einen Zuwachs um 8 Waldbrandereignisse. Bei der Fläche eine Differenz von - 8 ha.

    Betrachtet man die gesamte Zeitreihe der Tage mit den beiden gegensätzlichen Waldbrandindexstufen, so erkennt man sofort, dass sich hier eine Schere schließt und sich die Tage mit Waldbrandindex 1+2 immer weiter absenken, während die Tage mit Waldbrandindex 4+5 immer häufiger werden. Besonders nahe kommen sich beide Kategorien an extremen Jahren wie 1976, 2003 und während den bekannten drei Trockenjahren 2018, 2019 und 2020.

    Bei der Anzahl und Fläche der Waldbrände erkennt man, dass abgesehen vom Rekordsommer 2003, auffällig niedrige Fall- und Flächenzahlen in den 2000'er bis in die ausgehenden 2010'er Jahre vorliegen. Dies lässt sich teilweise damit erklären, das zumindest in den 2000'er Jahren die bisher nasseste Dekade aufgezeichnet wurde, trotz immer steigender Temperaturen. Herrausragend sind hier neben den schon gut bekannten drei Trockenjahren 2018, 2019 und 2020 auch die besonders warmen Jahre 1996 und 2003.

    ZeitreiheTrendMittelwertÄnderung
    Wandbrandindexstufe 1+2
    in Anzahl Tage (1961-2020)
    -n183-40
    Waldbrandindexstufe 4+5
    in Anzahl Tage (1961-2020)
    -u16+24
    Anzahl Brände
    (1991-2020) 
    ku55+6
    betroffene Fläche in ha
    (1991-2020) 
    ku16-8
    Klimanormalperiode1961-
    1990
    1971-
    2000
    1981-
    2010
    1991-
    2020
    Wandbrandindexstufe 1+2 in Anzahl Tage192188184174
    Waldbrandindexstufe 4+5 in Anzahl Tage10131521
    Anzahl Brände ---55
    betroffene Fläche in ha---16
  • Legende Trendsymbole

    Trendbeschreibung

    kssteigender Trend
    kffallender Trend
    kuTrend mit Trendumkehr: zuerst fallend, dann steigend
    knTrend mit Trendumkehr: zuerst steigend, dann fallend
    kqfallender quadratischer Trend
    ktkein Trend

    Trendbewertung

    +s+f+u
    +n+q
    günstige Entwicklung
    -s-f-u
    -n-q
    ungünstige Entwicklung
    kskfku
    knkqkt
    keine Bewertung der Entwicklung möglich oder gleichzeitig günstige und ungünstige Entwicklungsaspekte vorhanden

     

  • Stärken des Indikators

  • Schwächen des Indikators

  • Weiterentwicklung des Indikators

  • Datenquellen / Ergänzungen

Handlungsfeld Wald und Forstwirtschaft

Jahr 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Anzahl der Brände                                                             79 113 87 68 46 174 36 16 30 16 15 16 165 22 16 21 12 10 13 18 54 20 33 21 25 20 35 159 94 227
Betroffene Fläche                                                             28,7 21,9 29,1 18,6 9,8 109,4 11,2 1,4 9,7 5 1,5 7,4 32,9 2,8 3,1 10,1 3,1 0,5 1,1 6,8 16,2 1,6 3,1 7 7,8 1,8 3,6 39,2 27,3 62
Waldbrandindexstufe 1+2 208 207 205 160 214 204 202 199 195 197 171 211 165 194 184 150 203 206 206 198 206 184 170 195 209 188 207 186 167 172 171 182 192 186 174 190 187 196 177 204 185 194 148 191 184 170 187 186 167 174 166 179 167 188 172 161 175 120 139 116
Waldbrandindexstufe 4+5 3 4 5 24 1 4 5 8 7 9 11 1 25 5 16 43 3 4 3 9 3 11 21 10 4 11 5 12 24 18 18 18 10 19 24 11 10 9 17 7 13 7 38 9 12 29 21 14 21 26 29 15 22 7 18 27 19 63 47 52